Begegnungen mit Jenny Michel

© Andreas Pein

© Andreas Pein

Im Jahr 2012 war ich in München bei der ERES Stiftung eingeladen. Diese gemeinnützige Stiftung widmet sich dem Dialog von Kunst und Wissenschaft, beispielsweise indem sie zu verschiedenen Themen Ausstellungen zusammenstellt, in deren Rahmen dann thematisch passende wissenschaftliche Vorträge und öffentliche Diskussionen zwischen Künstlern und Wissenschaftlern abgehalten werden. Das Thema, zu dem ich  eingeladen wurde, war “Chaos – Komplexität in Kunst und Wissenschaft” und ich war überaus beeindruckt von der Dichte und Eindrücklichkeit der hierzu ausgewählten Kunstwerke. Eine Künstlerin sprach mich dabei besonders an. Einerseits mit einer Reihe von ausgeschnittenen und akribisch beschrifteten Schaltplänen, getippten Textstücken und Zeichnungen, die als “Anleitung zum Zumüllen des Paradieses” den Eindruck von unverständlich-einschüchternder Komplexität erzeugten. Andererseits mit einer großformatigen Plastik, die sich über die Oberfläche mehrerer Tische erstreckte und auf den ersten Blick wirkte, als sei hier ein zähflüssiges Gel ausgelaufen, das sich auf der Tischoberfläche in Tropfen und Hügelstrukturen zusammengezogen hatte. Bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass sich in diesem Werk “The Rise and Fall of Paradise” verschiedene Kunststoffschichten überlagerten, wobei jede einzelne Schicht von winzigen Beschriftungen, wissenschaftliche Zeichnungen, Architekturpläne und sogar Sternkarten bedeckt war.

Was mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war, war dass dieselbe Künstlerin auch schon drei Jahre vorher auf der Art Cologne 2009 für eines der Kunstwerke verantwortlich gewesen war, die mir dort besonders aufgefallen waren. Damals hatte ich lange Zeit vor den naturkundlichen Schaukästen des “Pulvariums” verbracht, das sie zusammen mit Michael Hoepfel entwickelt hatte, und in dem verschiedenste Staub Spezies wie neu entdeckte Lebensformen nach dem Linnéschen System katalogisiert und einsortiert waren.

Jenny Michel ist die zweite Künstlerin, die ich für das Projekt WissensARTen besucht habe. Im letzten Jahr stand ich in ihrem Berliner Atelier somit erneut vor der Arbeit “The Rise and Fall of Paradise” und lernte, dass die verschiedenen Polyesterharz-Schichten als eine Überlagerung verschiedener Denksysteme gelesen werden können, wie sie mit der Zeit entsteht, wenn altes, „zerfallendes“ Denken noch sichtbar bzw. wirksam bleibt indem es das Verständnis neuen Denkens mit bestimmt. Obwohl ich ursprünglich vor allem an ihrer Sicht auf neue Lebensformen interessiert war, wie sie beispielsweise im “Pulvarium” zum Ausdruck kommt, nahm unser Gespräch letztendlich eine sehr viel allgemeinere Wendung, indem es sich auch um wissenschaftstheoretische Fragestellungen zur historischen Entwicklung von Glaubenssystemen, die Struktur unseres Denkens und die Wirkung von Wissenschaft auf unsere Gesellschaft drehte. Die Details dazu erscheinen hier in Kürze. Noch warten wir auf die Fertigstellung der Videoaufzeichnung des Treffens zwischen Jenny Michel und der Astrophysikerin Barbara Stracke…

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