Lebensformen

© Andreas Pein

Es ist eine der großen, offenen Fragen unserer Zeit: gibt es fremde Lebensformen im Universum? Oder ist es tatsächlich so, dass die Geschichte der Erde und die Entstehung der atemberaubenden Vielfalt verschiedenster Lebewesen auf ihrer Oberfläche eine kosmische Einzigartigkeit darstellt? In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, die Existenz von Planeten in fremden Sonnensystemen nachzuweisen und damit zu zeigen, dass unser Sonnensystem zumindest in dieser Hinsicht keine Besonderheit darstellt. Ganz im Gegenteil finden sich im Universum unzählige Planeten verschiedenster Zusammensetzung in verschiedenen Abständen zu verschiedenartigsten Muttersternen. Etwa 2000 solcher Exoplaneten wurden bis heute entdeckt. Ihre Zahl könnte in naher Zukunft weiter explodieren, wenn neue Weltraummissionen wie beispielsweise die ESA Mission PLATO bis zu einer Millionen Sterne nach planetaren Begleitern absuchen wird. Gleichzeitig zeigen Beobachtungen des interstellaren Mediums, also des Gases, in das die Sterne innerhalb ihrer Muttergalaxie eingebettet sind, dass bereits zum Zeitpunkt der Entstehung von Sternen komplexe organische Moleküle in der Umgebung des Sterns existieren, die später auf jungen Planeten mit geeigneten Oberflächenbedingungen zu Keimzellen des Lebens werden könnten. Darüber, ob diese Voraussetzungen bereits ausreichen, um für die Entstehung von Leben zu sorgen, und wie solche fremden Formen von Leben aussehen könnten, kann aber nach wie vor nur spekuliert werden.

Das Motiv des Unbekannten, Fremden, Andersartigen, ist zumindest eines, das auch für die Kunst große Inspiration liefert. Inwiefern sucht der Mensch immer auch nach sich selbst, wenn er nach anderem sucht? Wie stark wird das, was wir finden, durch unsere Erwartungen, unser Denken, beeinflusst? Wohl jede Epoche der Menschheitsgeschichte besaß unbekannte Regionen, auf die Utopien, Wunschträume, Hoffnungen aber auch Begehrlichkeiten projiziert werden konnten, ob dies nun fremde Kontinente oder religiöse Paradiesvorstellungen waren. Was können wir über uns lernen, wenn wir uns heute in die Tiefen des Weltraums träumen, uns Regenwald-bedeckte “Zweite Erden” ausmalen oder darüber phantasieren, wie es wäre, andere Planeten unseres Sonnensystems zu besiedeln?

Diese und andere Fragen haben wir in Berlin mit der Künstlerin Jenny Michel und der Wissenschaftlerin Barbara Stracke diskutiert.

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Jenny Michel, geboren 1975 in Worms, studierte bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel und zog nach einem anschließenden, kurzen Aufenthalt an der Akademie der bildenden Künste in Wien nach Berlin, wo sie seitdem lebt und arbeitet. In ihren Arbeiten finden sich vielfach Referenzen auf wissenschaftliche Methoden und Darstellungsarten, wie beispielsweise Klassifikationssysteme, Konstruktionspläne, Sternkarten, anatomische Zeichnungen oder Auszüge aus wissenschaftlichen Lehrbüchern und Lexika. Eines ihrer wichtigsten Anliegen, die Hinterfragung konventionellen Denkens, macht sie damit zu einer Art freien Philosophin, die ungebunden von institutionellen Normen und Regeln durch die Bildung ungewohnter Bezüge und Analogien neue Perspektiven eröffnen will. Ihre Werke besitzen entsprechend immer auch noch eine textliche Ebene: “Dann kann man auch den Text noch lesen, wenn man will. Man kann so immer tiefer hinein zoomen. Daran merkt man, dass es wahnsinnig viel Theorie gibt. Ich habe zum Beispiel keine Skizzenbücher, sondern Notizbücher und da stehen tausend Theorien drin. Und es geht tatsächlich auch um Theorien.”

Hier geht es zum Treffen mit Jenny Michel: Artikel, vollständiges Interview

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Barbara Stracke arbeitet in Berlin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Nach ihrem Studium der Astro- und Geophysik in Heidelberg und Köln promovierte sie in Berlin zu der Frage, unter welchen Bedingungen es flüssiges Wasser als eine entscheidende Voraussetzung für Leben auf der Oberfläche von Planeten geben kann. Insbesondere untersucht sie, wie nah ein Planet sich am Stern befinden kann, bevor dessen Wasserreservoir vollständig verdampft, und inwiefern sich die Atmosphäre des Planeten schließlich in einem sich selbst verstärkenden Treibhauseffekt aufheizen könnte. Um diese Fragen zu beantworten, stützt sie sich auf komplexe Modelle, mit denen der Einfluss der Sternstrahlung und Planetenatmosphäre auf die Oberflächentemperatur des Planeten untersucht werden kann. Die Faszination des Themas Exoplaneten ist für Stracke auch mit den weitreichenden Konsequenzen verbunden, die die Entdeckung fremden Lebens auf uns hätte: “Ich habe das Gefühl, es ist wirklich spannend: Kann da Leben sein außerhalb der Erde? Falls es Hinweise darauf gibt, wäre es einer der großen wissenschaftlichen Umbrüche, d.h. ein Paradigmenwechsel, eine Revolution. Das ändert unser Selbstverständnis noch einmal auf eine ganz andere Weise.“

Hier geht es zum Treffen mit Barbara Stracke: Artikel, vollständiges Interview

 

Die Begegnung

Jenny Michel und Barbara Stracke trafen sich schließlich zur Diskussion in der Berliner Sternwarte Archenhold – dort, wo sich jedes Jahr Tausende Besucher ihre eigenen Gedanken über fremde Sonnensysteme und vielleicht auch über die Existenz unbekannter Lebensformen in anderen Galaxien machen. Hier konnten sich die beiden Protagonistinnen austauschen, um mehr über die Erkenntniszugänge, die Methoden und Herangehensweisen der jeweils anderen Seite zu erfahren. Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede gab es für sie zu entdecken?

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